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Sinnstifter, reale Engel oder wofür es sich zu kämpfen lohnte...

Wer hier jetzt einen Text erwartet, in dem patetisch auf geflügelte Wesen eingegangen wird, die mit dem rechtschaffenden Schwert der Dunkelheit einhalt gebieten, der liegt zwar nicht vollständig falsch, interpretiert es aber viel zu wörtlich.

Hier geht es um Menschen, deren Wesen aus der Masse heraussticht und die für uns ein Grund sind, die Welt mit all Ihren Problem, schwächen und Unwegsamkeiten zu ertragen. Jemand für den sich das Aufstehen lohnt, weil diese Person für uns selbst wertvoll erscheint. Das kann jeder sein... ich denke für viele Männer ist es zumindest am Anfang die eigene Frau, die Kinder oder die Familie.

Es geht nicht darum, dass diese Personen weltbewegendes leisten oder sie fehlerlos wären – weit davon entfernt meistens. Es geht darum, dass diese Personen uns selbst dazu animieren besser sein zu wollen, als man ist. Es sind Sinnstifter. Wir alle brauchen sie, denn sie geben uns das Gefühl, dass wir trotz der Bedeutungslosigkeit des Individuums in einer Gesellschaft in der es an jeder Ecke jemanden gibt der beinahe genauso ist wie wir doch wichtig ist da zu sein.

Die wichtigste Sinnstifterin hat mich vor einigen Stunden gefragt, was ich in Ihr sehe... dies ist mehr oder minder die Antwort darauf. Trotz Ihrer Fehler und Probleme sehe ich in Ihr etwas, das sich zu beschützen und zu erhalten lohnt.

Manchmal bröckelt dieser Eindruck und ich bin mir nicht sicher ob man dieses Gut wiedergewinnen kann, wenn das Loch zu groß geworden ist. Gestern ist ein großer Riss für mich in diesem Eindruck entstanden. Es geht nicht darum, dass man aus Pech, Unachtsamkeit oder weil die Umstände einfach keine andere Möglichkeit bieten eine unliebsame Entscheidung treffen muss, die eigentlich nicht in dem eigenen Sinne ist. Das ist etwas, dass ich verstehe und da wir alle in einer Welt wohnen, in der wir hin und her geschubst werden kann dabei so etwas vorkommen.

Es ist nur wichtig, dass man die Entscheidung nicht aus freien Stücken trifft, wenn man auch ganz leicht einen anderen, besseren Weg hätte wählen können. Bisher hatte ich bei Ihr den Eindruck, dass das so ist. Wenn eine falsche oder mir unpassende Entscheidung (ich bn mir bewusst, wie überheblich es ist sowas zu kategorisieren... aber Sinnstifter wählen wir ganz allein für uns selbst und dementsprechend werden wir unsere Maßstäbe ansetzen und das ist auch gut so) dabei war, so war sie getrieben von Notwendigkeit, Unwissen über die Zukunft oder aus Ausweglosigkeit. Dafür kann man niemanden moralisch belangen. Es ist der gleiche Grund, warum ein hungriger Junge auf der Straße, der für seine Geschwister einen Apfel stiehlt nie gleichwertig unmoralisch anhandelt wie einer, der aus purer Habgier etwas einem anderen nimmt.

Nur um es vorweg zu nehmen: Nein es geht hier nicht um irgendeine Form von Verbrechen.

Gestern hat sie aus freien Stücken eine für mich moralisch falsche oder sehr zweifelhafte Entscheidung getroffen, die Ihren Status als Sinnstifter bei mir erheblich beschädigt hat. Vielleicht kann ich damit leben, vielleicht nicht. Ich bin mir noch nicht sicher, aber es hat die Sichtweise von mir auf sie verändert. Ich hätte vielleicht noch mehr Einfluß nehmen und versuchen können sie zu überreden (völlig ohne die Möglichkeit auf Erfolg... aber wir kämpfen ja immer wieder gegen Windmühlen) aber das hätte nichts mehr verändert, denn Sinnstifter müssen aus Ihrem eigenen Antrieb heraus wertvoll erscheinen. Es hilft nichts, wenn man sie dazu überreden muss. Zu diesem Zeitpunkt ist das bereits vorbei, selbst wenn dann der für uns vermeindlich richtige Weg eingeschlagen wird.

Übrigens kann es sehr unfair sein, jemandem zu einem Sinnstifter zu machen.... andererseits hat die Person davon auch eine Treue und Bewunderung erfahren, die anderen verwehrt bleibt. Enscheidet selbst, ob es mich dafür zu verdammen gilt oder ob diese durchaus egoistische Betitelung in Ordnung geht. Typischerweise wählen diese Leute sich nicht selbst zu solchen Sinnstiftern. Denn dann sind sie es in meinen Augen automatisch nicht mehr.

Worauf ich im Endeffekt hinaus will? Ich weiß es nicht. Dies fühlt sich für mich an wie ein Nachruf. Es ist eine pathetische, übertriebene Art des Selbstmitleids oder des Abschiednehmens von einer schöneren Zeit oder einer Person, die sich nie so einen Status ausgesucht hat. Es ist also purer Egoismus. Soetwas bringt nichts zurück, macht nichts ungeschehen und verändert nur wenig, aber es ist eine WÜrdigung der Person und der Zeit, die sie der Sinnstifter war.

Ich möchte mich für diese Zeit bedanken, in der sie einer der wichtigsten Werte in meinem Leben war, der mich jeden Tag aufstehen und mir jeden Tag einfacher gemachte hat... keine Angst... es gibt weitere Sinnstifter in meinem Leben und vielleicht erwähle ich bald auch einen neuen oder vielleicht irre ich mich und sie bleibt es sogar. Aber es ist dennoch ein schmerzlicher Verlust eines Teils von unserer zwischenmenschlichen Beziehung.

Egal wie es ausgeht (eine absolute Floskel... ich weiß...): Ich wünsch viel Glück.

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