Sailfish OS

Sailfish OS ist ein Smartphone-Betriebssystem, das neben Android und iOS eine der wenigen, sinnvollen Alternativen zu den beiden Platzhirschen darstellt.

Der Hauptfokus dieses, in Finnland (Europa) von Jolla Ltd. entwickelten, Betriebssystems liegt dabei auf dem Datenschutz.

Das System sammelt wirklich keine Daten ohne vorherige, ausdrückliche Nachfrage, überlässt dem Nutzer vollständig die Entscheidung, was übertragen wird und was nicht und verdient kein Geld mit den Nutzerdaten seiner Kunden. Damit verfolgt es besonders im Vergleich zu Googles Android einen exakt konträren Ansatz bezüglich der Datenhandhabung (denn Android ist maßgeblich darauf ausgelegt möglichst viele Nutzerdaten an Alpha bzw. Google und deren Services und Dienste zu übertragen).

Jolla verdient daher offensichtlich sein Geld nicht mit dem Verkauf von Nutzerdaten und dem Schalten und Verwalten von Werbung sondern verkauft das Betriebssystem durch eine Einmalzahlung von 49 Euro für Neukunden, bzw. 29 Euro für ein Upgrade auf eine neue Hauptversion) an seine Kunden.

Auf dem Jolla Love Day 2 wurde außerdem eine neue Subscription-Methode vorgestellt, die zuerst die permanenten Zahlversionen ersetzen sollte, nach dem Feedback der Community nun aber nur als Alternative angeboten werden wird. Die neue Subscription-Option soll 4,99 Euro / Monat kosten und kommt voraussichtlich zusammen mit neuem Telefon-Modell-Support ab August 2024. Die Subscription-Version ist dabei nur für Updates zuständig. Sollte also die Subscription gekündigt werden, bleibt das Smartphone vollumfänglich dem dem bestehenden Niveau nutzbar.

Die kostenlose Version des Systems bleibt so oder so bestehen.

Sailfish OS and Sony Xperia 10 II

Dabei gibt es ebenfalls eine kostenlose Version des Betriebssystems, die allerdings ohne die Unterstützung von Android Apps, Microsoft Exchange-Anbindung oder Text-Vorschau-Features auskommen muss (der letzte Punkt kann allerdings auch auf anderem Wege nachgerüstet werden).

Android- / APK-Unterstützung

Das auf einem eigenen Linux-Kernel basierende SailfishOS kann dabei in der bezahlten Version wie angemerkt Android Apps (APKs) installieren und ausführen.

Dabei ist Sailfish OS weder ein google-freier “Fork“ (also eine Abspaltung) von Android – emuliert Android auch nicht – sondern verwendet eine proprietäre Kompatibilitätsschicht namens “Alien Dalvik“ (entwickelt von der Myriad Group), die in einer eigenen Virtual Java Machine Android-APIs nachbildet und so Android-Anwendung ähnlich wie es Wine mit Windows-Anwendungen auf Linux-Distributionen macht, laufen lässt. Im Gegensatz zu Wine bei Windows funktioniert das aber bei dem weniger komplexen und fragmentierten Android aber praktisch ohne Einschränkungen.

Warum “praktisch“? Die Einschränkung liegt beim API-Level (wie es bei jedem anderen Android-Smartphone auch wäre) und verpflichtenden Google-Services. Ab SailfishOS 4.1 werden unterstützt, die auf Android 10 oder darunter lauffähig sind, ab 4.5 ist das Android-Level auf Android 11 gesteigert worden. (das sind so gut wie alle Apps Stand April 2024).

Ab Version 5 von Sailfish OS, die für August 2024 angekündigt wurde, soll Android 13 mit API-Level 33 für die Smartphone-Modelle Sony Xperia 10 IV und V sowie das neue Jolla C2 Phone unterstützt werden. (eventuell folgen weitere Modelle)

Einzige Ausnahme stellen standardmäßig aber Apps da, die auf spezielle Verfahren zurückgreifen, die explizit auf Google-APIs prüfen. Das sind einige (nicht alle) Banking-Apps und einige wenige Apps, die ganz neue, properitäre Google-APIs verwenden. (z. B. bis vor kurzem z. B. CovPass, aber nun gibt es diese App auch ohne Google Dienste)

Auch hier gibt es allerdings weitere Lösungswege wie z. B. das MicroG-Projekt, das Google Play Store Services nachbildet und vorgauckelt. (weitere Informationen dazu gibt es auf der MicroG-Website unter https://microg.org/).

Allerdings ist das Ausführen vieler Android-Apps gar nicht notwendig, denn Sailfish OS bietet natürlich durch den Linux-Kernel (ähnlich dem von Ubuntu) auch den Support für Linux-Apps (für ARM 64bit ab Version Sailfish OS 4.1), die viele Dienste wie z. B. Telegram, Signal, Matrix, usw. mit eigenen Apps abdecken können.

Als Browser kommt der Sailfish-Browser zum Einsatz, ein auf Mozillas Quantuum-Engine basierender Browser (die Engine von Firefox), so dass auch hier auf Google Produkte verzichtet werden kann. Genauso gibt es viele weitere Services und Apps, die z. B. Google Maps, Google Drive und Co. auf Basis einer OpenSource-basierenden, Google-freien Plattform ersetzen können.

Wer gerade frisch mit Sailfish OS startet sollte auf alle Fälle meine Liste mit wichtigen Sailfish OS Apps und Patches anschauen:

Kurz gesagt erlaubt Sailfish OS damit eine (je nach Wunsch) Google-freie Nutzung des Smartphones mit voller Kontrolle über die eigenen Daten ohne größere Kompromisse bei der App-Kompatibilität oder Smartphone-Nutzung.

Woher bekomme ich Apps?

Da der Google Playstore für echte Sailfish OS-Nutzer ein No-Go ist (und oft ohnehin nicht möglich ist, weil Google die Nutzung ohne alle anderen Google-Dienste nicht zulässt), brauchen Sie einen anderen Anbieter für Ihre App-Bedürfnisse. Das Gute daran ist: Es gibt nicht nur einen, sondern gleich mehrere von ihnen. Die wichtigsten Shops sind diese:

Die “Guten Jungs“:

Native Apps für Sailfish OS von Jolla:

Native Apps für Sailfish OS & weitere Linux OS:

Kostenlose und quelloffene APK-Apps für Android:

Die weniger “Guten Jungs“:

APKs oft von properitären Firmen und Spielen:

(bitte aufpassen, einige könnten gefährlich sein.)

APKs oft von properitären Firmen und Spielen:

(bitte aufpassen, einige könnten gefährlich sein.)

APKs vom Google Play store, anonym heruntergeladen:

(die gleichen APKs wie von Google Play, aber anonym heruntergeladen. Die gleichen Trackingsysteme wie im Play Store)

Welche Smartphones unterstützen Sailfish OS?

Hier liegt der einzige Schwachpunkt: Nicht jedes Smartphone unterstützt Sailfish OS. Mein aktuelles Smartphone ist das Sony Xperia 10 III und davor das Sony Xperia 10 II. Das sind die derzeit neuesten Smartphones, die mit Sailfish OS kompatibel sind und dabei offiziellen Support von Jolla Ltd. erhalten. Das Sony Xperia 10 II ist im Juni 2020 erschienen, das Sony Xperia 10 III im Juli 2021.

Ab August 2024 sind der Support für Sony Xperia 10 IV und V sowie das neue Jolla C2 Community Phone angekündigt.

Sony Xperia 10 II ist Sailfish OS fähig.
(das Sony Xperia 10 II – Stand August 2021, Sony Europe B.V.)

Dabei werden Sony-Smartphone dank eines speziellen, von Sony eingeführten Programms bevorzugt, da dieses besonders einfach und offiziell unterstützt die Portierung des Betriebssystems auf deren Smartphones unterstützt. Dazu gehören weitere Sony Smartphones wie z. B. das Sony Xperia 10, Sony Xperia XA2 Ultra, usw.

Außerdem hat auch die sehr aktive OpenSource-Community von Sailfish OS einige Portierungen für andere Smartphones herausgebracht. z. Z. läuft hier aber nur die kostenfreie Version, also ohne APK-Support. Weitere Informationen zu diesen Ports finden sich u. a. hier: https://wiki.merproject.org/wiki/Adaptations/libhybris

Woher bekomme ich Sailfish OS?

Es gibt zwei Möglichkeiten Sailfish OS zu erhalten:

1.) Kauf eines Geräts mit vorinstalliertem Sailfish OS
(von Jolla Devices)

2.) Selbstinstallation auf einem kompatiblen Smartphone
(offizielle Anleitung)

I have a YouTube channel which might be interesting which covers SailfishOS too:

Ein kleiner Einblick in die Bedienung des Betriebssystem:

Wichtige Apps und Helfer für neue Nutzer

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